
Ich war immer ein optimistischer und energiegeladener Mensch. Ich bin morgens gerne aufgestanden und mit Freude in den Tag gestartet. Doch mit der Zeit merkte ich, dass ich immer schwerfälliger wurde und mir der Antrieb zusehends fehlte. Dies war ein schleichender Prozess und ich begann, mich zu fragen, woher wohl der Grund für meine Antriebslosigkeit kam. Mein Blick fiel auf meinen Beruf. Jahrzehntelang war ich Assistentin im Gesundheitswesen und das sehr gerne. Mir wurde bewusst, dass ich nicht mehr hinter dem Schreibtisch arbeiten wollte, sondern Menschen direkt helfen. Ich wollte Menschen beraten, ein Stück begleiten und vor allem zuhören. Mein Wunsch war es, eine kleine Oase der Ruhe und Geborgenheit zu schaffen.
Ich begann über einen beruflichen Neuanfang nachzudenken.
Mein Weg zur Ayurveda-Ausbildung
Eigentlich hatte ich nie geplant, Ayurveda-Beraterin zu werden. Es gab keinen Masterplan. Ich hatte schon einiges über Ayurveda gelesen und mich auch zu einer Panchakarma-Kur (ayurvedische Reinigungskur) auf Sri Lanka angemeldet. Ayurveda, Gesundheit, Ganzheitlichkeit – das hörte sich für mich vertraut an. Ich informierte mich über die beruflichen Möglichkeiten und über die Ausbildung zur Ayurveda Ernährungs- und Gesundheitsberaterin. Ich fasste also den Entschluss, zu kündigen und meldete mich bei der Rosenberg Akademie in Birstein an. Und mit dieser Entscheidung begann meine Leidenschaft für Ayurveda.
In Birstein vermittelte Kerstin Rosenberg Ayurveda mit so viel Freude und Begeisterung, dass man sich dieser Energie kaum entziehen konnte. Besonders angesprochen hat mich ihre Haltung, dass Ayurveda nicht dogmatisch sein muss. Es geht nicht um Schubladendenken, sondern darum, den Menschen in seiner Individualität und im Einklang mit der Natur zu betrachten.
Die Charaka Samhita, eine der klassischen Schriften des Ayurveda, beschreibt diesen Gedanken bereits sehr schön:
„Gutes und schlechtes Leben; glückliches und unglückliches Leben; das, was dem Leben zu- bzw. abträglich ist; das Maß des Lebens und seiner Komponenten; und das Leben selbst – wo all dies erklärt wird, das nennt man Ayurveda.“ Quelle: Charaka Samhita, Sutra Sthana 1.41
Ayurveda und meine neue Sichtweise
Ayurveda hat mir gezeigt, genauer hinzuschauen. Wenn ich heute merke, dass es mir nicht so gut geht, frage ich mich: Wie habe ich mich ernährt? Habe ich mir keine richtige Pause genommen oder vielleicht meinen Tagesrhythmus vernachlässigt? Früher habe ich einfach „weitergemacht“. Heute höre ich in mich hinein und umsorge mich. Ich habe gelernt, mir und meinen Gefühlen zu vertrauen. Diese Haltung und Fürsorge möchte ich gerne weitergeben.
Wenn ich auf das vergangene Jahr zurückblicke, empfinde ich vor allem Dankbarkeit. Dafür, dass Ayurveda in mein Leben gekommen ist, für die vielen wunderbaren Menschen, die ich kennenlernen durfte, und dafür, dass ich den Mut hatte, meinem Herzen zu folgen.
Ein Ort zum Ankommen – ein Impuls zum Weitergehen
Heute weiß ich: Ein Neuanfang muss nicht immer einem festen Plan folgen. Manchmal beginnt er damit, innezuhalten, genauer hinzuschauen und wahrzunehmen, was sich für uns richtig anfühlt.
Ich wünsche dir, dass du deinem eigenen Gefühl vertraust und offen dafür bleibst, wohin dein Weg dich führt.

